Bettina Koester

Luise Pop • Cler

Dieses Album, dieser Albumtitel sind eine Ansage. „Queen of Noise“, eine Königin des Lärms, kann es nur eine geben. Aber ist nicht jedes Werk, jede musikalische Expression, jede künstlerische Aussage zugleich eine Ansage, ein Fanal, ein dringliches Statement? Im Fall von Bettina Köster ist ein neues Werk, zumal das erste Solo-Album, mehr als das. Einerseits ist „Queen of Noise“ ein Substrat der Lebenserfahrungen der Musikerin (und da gibt es eine Überfülle an Erfahrungen, Einflüssen und biographischen Fußnoten), anderseits auch eine Auseinandersetzung mit der heutigen Lage, Stimmung und Szene. 

Historischer Ausgangspunkt ist das Berlin der späten siebziger Jahre, das SO36 in Kreuzberg und den Dschungel in Schöneberg. 1979 eröffnete Köster mit Gudrun Gut den ersten aller urbanen Konzeptstores, Eisengrau. Es gab Ausstellungen, Screenings, Super 8 Filme, Kleider, ein Kassettenlabel. Eisengrau reflektierte den regen lokalen und internationalen Austausch einer neuen Welle. Mit ihrer ersten Band, Mania D., spielte Bettina Köster bald in New York und lieferte die „Single of the Year“ bei John Peel, der Mania D. liebevoll "Queens of Noise" (sic!) nannte. 

1981 gründeten Köster und Gut Malaria, den Prototyp einer Frauenband der Achtziger schlechthin. Sie spielten mit John Cale im „Mudd Club“, mit Nina Hagen im legendären „Studio 54“, Siouxsie and the Banshees, New Order und The Birthday Party. Rockten die Danceteria in New York, Les Bains Douches in Paris, die Documenta in Kassel, ICA in London und landeten immer wieder auch im SO36. 

Malaria entwickelte sich zu einem Vorbild und wichtigen Einfluss für viele nachfolgende Musikerinnen (man erinnere sich etwa an Chicks on Speed und ihre Version von „Kaltes Klares Wasser“). Mitte der achtziger Jahre zog Köster nach New York. Unter anderem produzierte sie einen Dokumentarfilm über das Regime in Burma, “Anatomy of Terror”, gesprochen von Susan Sarandon, Regie Isabel Hegner. Bei ihrer Recherche zum Film stolperte sie über Olive Yang, die erste Drogenprinzessin. Mit Martin Schacht arbeitete die Autorin, die heute in New York, Wien und Italien lebt, zuletzt an dem Buch “Mandalay Moon”, erschienen bei Rowohlt im Sommer 2007. 

Nun also ein neues musikalisches Statement: „Queen of Noise“. Fussend auf der Erkenntnis, daß in Zeiten eines heftigen Paradigmenwechsels die alten Do-It-Yourself-Strategie des Punk wieder etwas zählt und die neuen Medien künstlerische Autonomie und Autarkie tendenziell stärken. „Ich möchte das, was ich zu geben habe, anbieten und teilen“, so Bettina Köster. Es ist ein tiefes, persönliches, hypnotisches Werk, oszillierend zwischen Einflüssen der Beatles, DAF, Grace Jones, Marianne Faithfull, Nico, Iggy Pop, Lou Reed und Kraftwerk einerseits und einem selbstbewussten Ego andererseits. Wenn man so will: Adult Pop at its best. Jedenfalls ohne Zeigefinger, Retro-Zierrat und falsche Sentimentalitäten.

Daß „Queen of Noise“ bei kleinen, aber feinen Wiener Label Asinella Records erscheint, hat mit dem Umstand zu tun, daß Bettina Kösters Schlagzeugerin Ines Perschy auch für Clara Humpel, die gefeierte österreichische Künstlerin und Nebenerwerbs-Labelchefin, trommelt. Auch das ein Statement: hier schaut man gern über den Tellerrand. Und hat mit diesem Album den Glücksfall einer Kunst-Schnittstelle mit vielen Anschlußstücken im Werkeverzeichnis: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Berlin, Wien und New York, Beatles, Velvet Underground und Clara Luzia. Frauen an der Macht. Beeindruckendes Werk.

Walter Gröbchen

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Bettina Koster, born in West Germany moved to Berlin  as a child. Mounts of coal were strategically placed all over the city. Fear of  another Soviet blockade of the walled-in city was still evident. Later she returned to study Visual Communications at the HdK, just in time for the opening of the SO36 and the Dschungel. 


In 1979 Koster and fellow visual communications student/punk musician Gudrun Gut opened the hip new wave store Eisengrau. There they joined girl band Mania D. Mania D. performed at the tier 3 in New York. John Peel called them his Queens of Noise and their “track 4” was single of the year on his radio show. In 1981 Koster and Gut founded the all girl band Malaria, which went on to a very cult following. They played with Nina Hagen at Studio 54, John Cale at the Mudd Club, with Siouxsie and the Banshees, New Order, and with The Birthday Party. They played at Danceteria in NYC, Les Bains Douches, and the Bat Cave in London, and again and again at the SO36 in Kreuzberg. Malaria has become a definite influence for younger girl bands as seen with the Chicks on Speed version of Malaria's 1981 hit "Kaltes Klares Wasser."


In 1983, Koster, bored with the music industry and not wanting to taint her love of music moved to NYC where she remained for the next 18 years. In 1998 she composed the music and co-wrote the script for the film "Peppermills", which won the Teddy Award at the Berlinale Film Festival. She also co-produced a documentary about the military regime in Burma, "Burma: Anatomy of Terror" directed by Isabel Hegner, narrated by Susan Sarandon. After September 2001 she returned to Berlin. In 2006 she released the album Autonervous. Bettina now lives in  Berlin, New York , and the deep south of Italy. 


Her album "Queen of Noise" (AR010) will be released on Asinella Records on october 23 2009


Queen of Noise

Veröffentlicht am 23. Okt. 2009

Kartonfolder-CD

(Asinella Records, AR10)